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Musik der rechtsextremistischen Szene

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Musik hat eine zentrale Bedeutung für die rechtsextremistische Szene – sowohl als internes Identifikationsmittel als auch zur Kommunikation nach außen und zur Nachwuchswerbung. Der folgende Beitrag erläutert diesen hohen Stellenwert einschlägiger Musik und vermittelt einen Überblick über rechtsextremistische Bands, Liedermacher und Konzerte, sowie über die Verbreitungswege und den Einsatz der Musik als Werbemittel.

Herausgeber: Bayerische Informationsstelle gegen Extremismus Staatliche Einrichtung

 

Bedeutung rechtsextremistischer Musik

 

Rechtsextremistische Musik ist – zusammen mit sozialen Erfahrungen und gemeinsamen Erlebnissen – ein wesentliches Eintrittstor in die rechtsextremistische Szene.

So nutzen Rechtsextremisten Musik, um Jugendliche mit rechtsextremistischem Gedankengut in Kontakt zu bringen. Das Angebot an rechtsextremistischer Musik ist hinsichtlich Qualität, Stil und Zielrichtung größer geworden und reicht von Skinhead-Musik und Balladensängern über Vikingrock, Black Metal, Hatecore und Neofolk bis hin zu Rap und Techno. Die Texte enthalten nationalistisches, fremdenfeindliches, antisemitisches und antidemokratisches Gedankengut.

Rechtsextremistische Musik wird live auf Veranstaltungen rechtsextremistischer Organisationen und Parteien sowie auf Skinhead-Konzerten im In- und Ausland gespielt. Diese Konzerte dienen den Teilnehmern als Plattform für soziale Kontakte und ermöglichen es, ein Netzwerk persönlicher Beziehungen aufzubauen und zu pflegen.

Die Partei „Der Dritte Weg“ (III. Weg) veröffentlichte ein eigens für sie komponiertes Lied des bekannten rechtsextremistischen Musikers Lunikoff, das als Hymne und Erkennungszeichen der Partei dienen soll.

Im Text heißt es u.a.

"…Unsre Heimat liegt im tiefsten Unglück Unser Volk ist bitterster Not Wir fordern unser Deutschland zurück Die Fahne grün, das Herz schwarz-weiß-rot Der III. Weg marschiert – Die deutsche Jugend rebelliert… Der III. Weg marschiert. Der Zukunft der Enkel, der Ehre der Ahnen Gilt unsere heiligste Pflicht Unsere grünen Fahnen soll’n jeden mahnen: Dereinst halten wir streng Gericht…"

Daneben stellte der „III. Weg“ das eigene Musikprojekt „Wegbereiter“ vor. Dieses solle dazu dienen, musikalisch die eigene Botschaft zu verbreiten. Der Vertrieb der CDs erfolgt online über den parteieigenen Materialvertrieb. Auf seiner Homepage berichtet der „III. Weg“ regelmäßig über rechtsextremistische Musikthemen, u. a. über das rechtsextremistische Konzert am 15. Juli im thüringischen Themar.

Auch die „Identitäre Bewegung“ (IB) setzt im Rahmen ihrer politischen Propaganda auf die Wirkung von Musik. Der führende Aktivist der IB im deutschsprachigen Raum, Martin Sellner, pro- duzierte für seinen YouTube-Kanal zwei Videos, in denen er die Musikrichtung des Neofolk vorstellt. Dabei empfiehlt er seinen Zuschauern Neofolk als die richtige Musik für Identitäre, da sie der antimodernen Grundausrichtung der Identitären sehr nahe steht.

 

Rechtsextremistische Skinhead-Konzerte in Bayern

Skinheadkonzerte 2006 - 2015Konzerte gehören seit jeher zur rechtsextremistischen Szene. Sie sind wichtig für Kontakte und zur Stärkung der Gruppenidentität.

Sie vermitteln den Besuchern nicht nur die rechtsextremistische Gesinnung sondern auch ein Gemeinschaftsgefühl und ermutigen sie, ihre politische Überzeugung auch nach außen selbstbewusst, mitunter auch gewaltbereit zu vertreten. Die Gewaltbereitschaft wird durch den erhöhten Alkoholkonsum und den aggressiven Pogotanz noch verstärkt. Auf solchen internen Veranstaltungen werden oft auch Titel mit strafbarem Inhalt gespielt. Um sich nicht selbst strafbar zu machen, ermuntern die auftretenden Bands das Publikum, die entsprechenden Textpassagen zu singen. Zu der aufgeheizten Stimmung kommt es auch zu anderen Straftaten wie „Heil Hitler“-Rufe oder Zeigen des Hitlergrußes sowie zu Gewalttaten. Das Radikalisierungspotential derartiger Musikveranstaltungen ist langfristig nicht zu unterschätzen, auch wenn die Konzerte am Veranstaltungstag selbst oft ohne unmittelbare Auswirkung stattfinden

 

Die konspirativen/geheimen Vorbereitung übt einen zusätzlichen Reiz/Faszination aus.

Rechtsextremistische Konzerte werden von den Veranstaltern in der Regel konspirativ vorbereitet bzw. als private Veranstaltungen durchgeführt. Mit Vortrefforten, Organisation über Mittelmänner, SMS-Mobilisierung bzw. Mund-zu- Mund-Propaganda und/oder der Deklarierung eines Konzerts als private Geburtstagsfeier(Tanzabende bzw. Plattenpartys)soll ein Einschreiten der Sicherheitsbehörden verhindert werden. Kommerzielle Interessen spielen dabei eine untergeordnete Rolle, da die Konzertveranstalter mit den erhobenen Eintrittsgeldern in der Regel gerade die eigenen Kosten, beispielsweise Bandgagen, decken können. Zum Beispiel werden die Teilnehmer über die sozialen Netzwerke informiert und vor Beginn des Konzerts ohne nähere Angaben zum eigentlichen Veranstaltungsort in eine bestimmte Region gelotst. Erst unmittelbar vor Beginn wird die konkrete Örtlichkeit z.B. per WhatsApp bekannt gegeben oder die Teilnehmer werden von Vortreffpunkten dorthin dirigiert. Zur weiteren Absicherung gegen unerwünschte Gäste führen Ordner schließlich vor den Veranstaltungen Einlasskontrollen durch.

 

Verkauf von Merchandising-Artikeln

Jedoch nutzen rechtsextreme Bands Konzerte als Möglichkeit, ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen und für Tonträger und Merchandising-Artikel zu werben. Dabei beziehen sie ihre finanziellen Einnahmen meist durch den Verkauf und Vertrieb von Tonträgern, die über Versandhandel, Verkaufsstände auf rechtsextremistischen Veranstaltungen und über das Internet verbreitet und vermarktet werden.

Das Internet bietet darüber hinaus zahlreiche Möglichkeiten, rechtsextremistische Musik einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Beispielsweise können Musikclips schnell und effektiv zum Download zur Verfügung gestellt werden.

 

Veranstaltungen in Bayern

Im Jahr 2017 fand in Bayern ein rechtsextremistisches Konzert statt. Die Skinheadgruppierung „Voice of Anger“ – Sektion Schwaben veranstaltete am 25. März in Krumbach (Schwaben) anlässlich ihres 10-jährigen Bestehens ein Konzert, das von ca. 120 Zuschauern besucht wurde.

Außerdem fanden in Bayern rechtsextremistische Liederabende bzw. Musikdarbietungen statt, die zum Rahmenprogramm politischer oder „privater“ Veranstaltungen gehörten. Zur Attraktivitätssteigerung bei bisher parteipolitisch noch nicht so aktiven Rechtsextremisten, kombinierte die NPD in der Vergangenheit immer wieder Parteiveranstaltungen mit Auftritten von rechtsextreme Bands oder Liedermacher. Als Beispiel können hier die Pressefeste der Parteizeitung „Deutsche Stimme“, auf denen neben bekannten Aktivisten der NPD als Redner, teilweise über zehn Bands bei einer Veranstaltung als Rahmenprogramm spielten, genannt werden.

So trat etwa am 10. April 2017 bei einem NPD-Redner- und Liederabend der rechtsextremistische Sänger Lunikoff vor ca. 40 Teilnehmern in Murnau auf. Erneut in Murnau wurden am 14. August und 19. Dezember 2017 Redner- und Liederabende der NPD veranstaltet, bei denen Lunikoff einige Lieder vortrug.

Am 29. Juli 2017 veranstaltete der in der Oberpfalz ansässige Rechtsextremist Patrick Schröder mit „Rock für Identität“ in Themar ein weiteres rechtsextremistisches Konzert, zu dem etwa 1.050 Besucher anreisten. Beide Veranstaltungen waren als politische Kundgebungen nach dem Versammlungsgesetz angemeldet, um ein Verbot durch die Behörden zu erschweren. Dem Kund- gebungscharakter wurde dadurch Rechnung getragen, dass das Musikprogramm regelmäßig von politischen Redebeiträgen unterbrochen wurde.

Im Jahr 2016 fand kein rechtsextremistisches  Konzert in Bayern statt. Ein konspirativ vorbereitetes Konzert konnte am 14. Juni 2016 in Gangkofen, Niederbayern, von den Sicherheitsbehörden verhindert werden.

Plakat Live H8Eines der bislang größten rechtsextremistischen Konzerte in Bayern fand am 12.10.2013 in Scheinfeld (Lkrs. Neustadt a.d. Aisch) mir rund 1000 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland statt. Die Veranstaltung wurde konspirativ vorbereitet und ihre geplante Größenordnung gegenüber den zuständigen Behörden bis zuletzt verschleiert. Veranstalter des Konzerts war der Neonazi und NPD-Funktionär Patrick Schröder, der in Weiden in der Oberpfalz das rechtsextremistische Internet-TV "FSN-TV" sowie den gleichnamigen Radiosender "Radio FSN" betreibt. In Bayern konnten seitdem weitere rechtsextremistische Konzerte von Patrick Schröder verhindert werden.

 

Verlagerung in benachbarte Regionen- Konzerte in Themar/Thüringen

Das strikte Vorgehen der bayerischen Sicherheitsbehörden und des damit verbundenen finanziellen Risikos führt dazu, dass viele Musikveranstatlungen nicht mehr in Bayern, sondern in benachbarte Regionen, insbesondere Thüringen, bzw. sogar gleich ins Ausland verlagert. In diesem Zusammenhang nutzen Neonazis die offenen Grenzen Europas, um den Veranstaltungsort von Konzerten konspirativ über Ländergrenzen hinweg zu verschieben mit dem Ziel einen Ort zu finden, an dem sie sich ungestört wähnen. Das Publikum dieser Rechtsrockkonzerte ist international zusammengesetzt. Zu sogenannten Memorial-Veranstaltungen von verstorbenen neonazistischen Musikern reisen oft hunderte Jugendliche aus ganz Europa an.

So fand am 15. Juli 2017 im thüringischen Themar unter dem Titel „Rock gegen Überfremdung II“ mit etwa 6.000 Besuchern aus dem In- und Ausland das bisher größte rechtsextremistische Konzert in Deutschland statt. Aus Bayern reisten etwa 300 Rechtsextremis- ten, sowohl aus dem parteigebundenen als auch aus dem par- teiungebundenen Spektrum, nach Themar. Der hohe Zuspruch für die Veranstaltung durch subkulturell geprägte Rechtsextre- misten aus vielen Ländern Europas zeigt das enorme Mobilisie- rungspotenzial rechtsextremistischer Musik, das verschiedenste Gruppen wie Hammerskins, Kameradschaften und Parteimitglie- der sowie rechtsextremistische Einzelpersonen vereint.

Neben mehreren Konzerten im thüringisch-bayerischen Grenzgebiet mit regelmäßig sich wiederholenden Veranstaltungen in den thüringischen Gemeinden Kloster Veßra und Kirchheim bei Arnstadt, ist besonders das "Rocktoberfest" am 15. Oktober zu nennen. Die Großveranstaltung mit 5.000 Besuchernwar ursprünglich für "Südddeutschland" beworben worden, wurde dann jedoch im schweizerischen  Alt St.Johann im Kanton St.Gallen durchgeführt.

 

Rechtsextremistische Skinhead-Bands in Bayern

  • Eskalation (Raum Hof)
  • Faustrecht (Raum Mindelheim)
  • Kodex Frei (Raum Kempten)
  • MPU (Raum Hof)
  • Nordwind (Raum Forchheim)
  • Prolligans (Raum Allgäu)
  • Schanddiktat (Raum Dillingen an der Donau)
  • Sturmtrupp (Raum Neuburg a.d. Donau)
  • White Rebel Boys (Raum Hof)
  • Burning Hate (Raum Oberfranken)

     

    CD Faustrecht Kodex Frei 2 CD MPUCD Nordwind
    Prolligans Schanddiktat CD White Rebel Boys

    Auszug aus einem Skinheadkonzert

     

    Rechtsextremistische Liedermacher

    Liedermacher RenneckeRechtsextremistische Liedermacher treten zumeist bei internen Szene-Veranstaltungen wie Lieder- und Balladenabenden und im musikalischen Rahmenprogramm von Parteiveranstaltungen der NPD auf. In ihren Balladen verherrlichen sie auch „Deutsche Ideale“ wie Kameradschaft, Mutterschaft, Gehorsam, Heldentum, Tapferkeit, Solidarität, Treue, Ordnungssinn sowie die Zeit des NS-Regimes.

    Ein Beispiel hierfür ist das Lied „Das Mädel mit der Fahne“ des szenebekannten deutschen Liedermachers und in Bayern wohnhaften Frank Rennicke. In seinem Lied besingt Rennicke die Opferbereitschaft für das „Reich“. Textausschnitt:

    „…Und noch an dem Abend sank die Fahne dahin das bewaffnete Mädel ging ihm nicht aus dem Sinn. Ihr Leib war zerschossen, ihre Lippen ganz bleich. Sie starb noch am Abend für die Fahne vom Reich. Das Opfer des Mädchens, vergesst ihr es nie. Verliert nie den Stolz und kämpfet wie sie. Bis es endlich soweit, bis auch ihr irgendwann, die Zeichen des Reiches man frei zeigen kann. Die Zeichen des Reiches man frei zeigen kann.“

    Rennicke ist Herausgeber zahlreicher, auch wegen Jugendgefährdung indizierter Tonträger. Er wurde bereits mehrfach u.a. wegen Volksverhetzung und Verbreitung von jugendgefährdenden Schriften verurteilt. In seinen „nationalen“ Liedern hatte er u.a. zum Fremdenhass aufgestachelt und Migranten in Deutschland das Recht abgesprochen, sich in unserer Gesellschaft zu integrieren. In jüngster Vergangenheit beteiligte er sich auch als Redner oft an asylfeindlichen Veranstaltungen. Rennicke begründet dies mit seiner Pflicht, sich als Bürger zu engagieren, da er merke, dass sich die Stimmung der Bevölkerung zunehmend verschlechtere.

    CD Rennicke - Nur unsere Gedanken sind freiCD Rennicke - Live im Thinghaus

    (Das Album „Live im Thinghaus“ wurde am 30.12.2015 von der BPjM indiziert.)

     

    Verbreitung und Vermarktung rechtsextremistischer Musik

    Rechtsextremistische Musik ist nicht im üblichen Handel erhältlich. Für die Produktion und Verbreitung existieren langjährige nationale und internationale Vertriebsstrukturen. Mit ihrer Internetpräsenz haben sich die einzelnen Szenevertreiber den üblichen technischen Standards angepasst. Die Websites unterscheiden sich kaum noch vom Online-Angebot kommerzieller Versandhäuser. Hörproben und Kurzvideos sollen den potentiellen Kunden zum Kauf animieren. In Deutschland ansässige Produzenten und Vertriebe bieten in der Regel ausschließlich Produkte an, die strafrechtlich nicht relevant sind. Mit kostenlosen Downloads, Konzertberichten oder Bestellmöglichkeiten von CDs und Merchandising-Artikeln sollen gezielt Jugendliche gewonnen werden.

    In Bayern wird die einschlägige Musik derzeit von neun rechtsextremistischen Vertrieben angeboten. Die Vertriebs-Szene bietet neben den Tonträgern u.a. Textilien szenetypischer Marken und Accessoires mit rechtsextremistischen Symbolen an. Einige rechtsextremistische Musiker bewerben ihre Lieder auch auf ihren eigenen Webseiten (z.B. Frank Rennicke).

    Die Verbreitung und Vermarktung findet durch Versandhandel, Internetbörsen sowie durch Verkaufsstände bei rechtsextremistischen Veranstaltungen statt. Ebenso werden in entsprechenden Foren Videos von Konzertauftritten der einschlägigen Bands und Liedermacher angeboten. Rechtsextremistische Musik-Clips und Videos werden aber auch über unpolitische Plattformen wie z.B. YouTube oder facebook verbreitet. Strafrechtlich relevante oder indizierte Tonträger, die sich in Deutschland nicht auf gewöhnlichen Vertriebswegen absetzen lassen, werden gezielt „unter der Hand“ oder auch im Internet angeboten und bestellt. Dabei gilt das Verbot eines Textes oder gar einer ganzen CD oft als „Gütesiegel“.

    Zur Herstellung von Tonträgern werden professionelle Aufnahmestudios und –techniken verwendet, die den Musikern meist im Ausland zur Verfügung stehen.

     

    Rechtsextremistische Internetradios

    Banner Radio FSNSeit einigen Jahren gibt es immer mehr Szene-Internetradios, in denen Rechtsextremisten als Administratoren und Moderatoren rund um die Uhr eigene Kommentare und Musiktitel deutscher und internationaler Skinhead-Bands verbreiten. Die Homepages bieten häufig noch weitere Angebote wie Chats und Diskussionsforen, die jedoch meist anmeldepflichtig sind.

    „Menschen die bislang noch nicht in den Kontakt mit politischer Musik gekommen sind, soll durch das unverbindliche Hören unserer Lieder die ‚Angst‘ vor diesen Musikrichtungen genommen werden.“(Homepage Radio FSN – Hören macht frei!)

    Das Programmangebot besteht überwiegend aus rechtsextremistischer Musik. Gelegentlich werden auch indizierte bzw. strafbare Titel gespielt. Als Wortbeiträge werden Anmoderationen für Musiktitel, Interviews mit Rechtsextremisten (z.B. Bandmitgliedern), Kommentare oder Kritiken zu CDs sowie gelegentlich Werbung für Konzerte, Demonstrationen, Vertriebe und CDs gesendet. Während sich frühere Radioprojekte ausschließlich dem Thema Musik widmeten, behandelt beispielsweise das im oberpfälzischen Weiden ansässige Radio FSN in moderierten, herunterladbaren Sendungen auch Themen zur „Ausländerproblematik“. Weiterhin gibt es „ungeschulten Kameraden“ Tipps für den politischen Kampf, Aktionshinweise und Demonstrationstermine sowie Infos über aktuelle Ereignisse wie z.B. laufende  Strafprozesse gegen Rechtsextremisten.

    Die Sendezeiten variieren von wenigen Stunden wöchentlich bis hin zu einem 24-Stunden Programm. Internetradios unterliegen einer hohen Fluktuation, manche sind nur vorübergehend in Betrieb.

    Der Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Weiden i. d. OPf., Patrick Schröder, betreibt seit 2007 -mit Unterbrechungen- von Weiden i.d.OPf. aus das rechtsextremistische Internetradio FSN (Frei-sozial-national) sowie seit August 2012 auch das Internet TV FSN-TV. Auf FSN-TV werden Interviews mit Protagonisten aus der rechtsextremistischen Szene in moderierten Beiträgen, die auch heruntergeladen werden können, Aktionshinweise, Demonstrationstermine und Informationen über aktuelle und politische Ereignisse innerhalb des rechtsextremistischen Spektrums verbreitet. Patrick Schröder, der mit einem Co-Moderator auftritt, erreicht mit seinen Sendungen ein überregionales Szenepublikum.

    Die bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) untersagte Schröder, ab 21. September 2014 das audiovisuelle Medienangebot FSN-TV oder ein anderes journalistisch-redaktionell gestaltetes audiovisuelles Angebot über Internet oder andere Übertragungskapazitäten für mehr als 500 zeitgleich mögliche Nutzer zu veranstalten und linear, d.h. live oder zu einem bestimmten Sendezeitpunkt zu verbreiten. Die von Schröder dagegen erhobene Klage wurde vom Verwaltungsgericht Regensburg am 17.November abgewiesen. Seit der Untersagungsverfügung der BLM bietet Schröder aufgezeichnete FSN-TV Sendungen als Podcasts an. Schröder weicht dabei auf andere audiovisuelle Internetformate wie das Live-Stream Portal YouNow oder Youtube aus, die nicht der Aufsicht durch die BLM unterliegen.

     

    Jugendgefährdende Texte und Indizierungsverfahren der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien

    Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) listet u.a. rechtsextremistische Trägermedien, z.B. CDs auf: Liste A umfasst alle indizierten Trägermedien, die nach Einschätzung der BPjM keinen strafrechtlich relevanten Inhalt haben; Teil B alle Trägermedien, die sowohl jugendgefährdende als auch einen möglicherweise strafrechtlich relevanten Inhalt haben.

    CD White Rebel Boys - white songs full of hateSo hat die BPjM etwa die CD „White Songs - Full of Hate“ der oberfränkischen Skinheadband „White Rebel Boys“ in Teil A der Liste der jugendgefährdenden Medien eingetragen.

    Nach der Bewertung der BPjM propagieren die Verfasser in den Titeln Nr. 02, 03, 09 und 12 der CD durchgängig die Ideologie und insbesondere die Rassenlehre des Nationalsozialismus; demnach wenden sie sich in den Liedtexten gegen Menschen mit dunkler Hautfarbe und popularisieren die Reinheit des Blutes, womit getreu der Ideologie des Nationalsozialismus der Erhalt der weißen Rasse gemeint ist. Die Wut der Interpreten richtet sich gegen all diejenigen, die kein „germanisches Blut in ihren Adern“ haben. In Deutschland lebende Migranten werden als „krimineller Abschaum“ bezeichnet, den es aus dem Land zu werfen gelte. So heißt es: „In ihren Adern fließt kein germanisches Blut / Mit ihren Taten schüren sie unsere Wut / We are white rebel boys defend our blood and our soil / We are white rebel boys we stand and fight“ (... Wir sind weiße Rebel-Boys, verteidigen unser Blut und unsren Boden / Wir sind weiße Rebel-Boys, wir stehen und kämpfen). Und an anderer Stelle: „Was habt ihr nur aus unserem schönen Land gemacht / Frauen können nicht mehr auf die Straße in der Nacht / Vor vielen Jahren sah es hier noch anders aus / Werft diesen kriminellen Abschaum endlich raus, raus, raus, raus! / Entwurzelte Seelen wollt ihr nationalisieren / Und merkt dabei nicht mal dass wir die Lebensart verlieren. / ... / Von diesem Abschaum unterdrückt im eigenen Land / Schließt euch uns an im Nationalen Widerstand! / Dann sieht es hierr auch wieder anders aus. / Dann werfen wir den kriminellen Abschaum endlich raus, raus, raus, raus, werft sie raus“

    Die BPjM sah ferner in Lied Nr. 12 Parallelen zum sog. „Horst-Wessel-Lied“, dem Kampflied der SA, und sah insoweit eine Verherrlichung des Nationalsozialismus und des Hakenkreuz-Symbols als gegeben an.

    Auf der Homepage von FSN-TV führt Patrick Schröder regelmäßig die aktuellen Indizierungsverfahren der BPjM auf. Dadurch versucht er die indizierten Musikstücke und nebenbei sich selbst für seine überwiegend jugendlichen Fans interessant zu machen, auch wenn er abstreitet, dass er damit Werbungsziele verfolgt.

    Jugendgefährdende Texte

    Indizierungsverfahren der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien

     

    Verteilung rechtsextremistischer CDs an Jugendliche am Beispiel der Schulhof-CD

    Schulhof-CD Schulhof-CD 60 Jahre Umerziehung Schulhof-CD 2010 Schulhof-CD gegen den Strom

    Die NPD und Angehörige der Neonazi-Szene versuchten in der Vergangenheit , durch Verteilaktionen von rechtsextremistischer Musik - sogenannten Schulhof-CDs - vor Schulen und Jugendeinrichtungen Nachwuchs zu gewinnen. Dabei wurde die Musik als Träger und Mittler rechtsextremistischen Gedankenguts benutzt. In Bayern nutzten Rechtsextremisten „Schulhof-CDs“ u.a. als Wahlkampfmittel zur Bayerischen Kommunal- und Landtagswahl im Jahr 2008, zur Bundestagswahl 2009 und vereinzelt auch 2013 an.

    Anfangs enthielten die CDs oft zusätzlich Bestellcoupons für Infomaterial, Aufkleber oder sogar Mitgliedsanträge für die NPD. Inzwischen beinhalten die Multimedia-CDs auch Propagandatexte, Bilder oder Links zu rechtsextremistischen Internetseiten.

    Die Verteilung von „Schulhof-CDs“ ist in Bayern seit Jahren rückläufig.

     

    Rechtsextremistische Vertriebsstrukturen

     

    Neben Musik umfasst die Angebotspalette auch Textilien, Fahnen, Flugblätter, Plakate und szenetypische Devotionalien wie Bücher und Aufkleber sowie zunehmend Acessoires für den Alltag wie Sonnenbrillen oder Gürteltaschen. Szeneläden sind mittlerweile die Ausnahme. Nahezu alle Händler bieten ihre Waren auf zum Teil professionell gestalteten Verkaufsplattformen im Internet an. Die Betreiber rechtsextremistischer Betriebe verfolgen insbesondere wirtschaftliche Interessen, manche unterstützen mit ihren Einnahmen auch die rechtsextremistische Szene.

    Zu den Vertrieben gehören:

    - Ansgar Aryan ( Mantel /Neustadt a.d. Waldnaab, seit 2009

    - DIM Records (Coburg, seit 1991)

    - FSN Shop ( Mantel/ Neustadt a.d. Waldnaab, seit 2014)

    - Nordic Union (Mantel/ Neustadt a.d. Waldnaab)

    - Oldschool Records (Wolfertschwenden/ Unterallgäu, 2008)

    - Schwarze Sonne Versand (Rain am Lech/ Donau-Ries, seit 2001)

    - Versand der Bewegung (Murnau/ Garmisch-Patenkirchen, seit 2003)

    - Patriaversand (Kirchberg/ Erding, seit 1993)

    - Wikingerversand (Geiselhöring/ Straubing-Bogen, seit 1997)

     

    Das bayerische Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr hat am 23.Juli 2014 das neonazistische Netzwerk Freies Netz Süd (FNS) verboten, da es die verfassungsfeindlichen Bestrebungen der verbotenen Fränkischen Aktionsfront weiterführte. Darüber hinaus wurden Gegenstände des Szene-Versandhandels Final Resistance Versand beschlagnahmt und eingezogen. Der Final Resistance Versand unterstützte die Aktivitäten der FNS, indem er Agitations -und Propagandamaterial zur Verfügung stellte. Er hatte sich in den letzten Jahren zu einem der bedeutendesten Szene-Versandhandel in Bayern entwickelt.

    Die Einziehung der Gegenstände des Final Resistance Versandes zu Gunsten des Freistaates Bayern ist allerdings noch nicht bestandskräftig, da dessen Gesellschafter hiergegen Rechtsmittel eingelegt haben. Das Klageverfahren ist vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht Bayreuth anhängig. Dieses Verfahren wurde bis zum rechtskräftigen Abschluß des parallel geführten Verfahrens vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof über die Rechtmäßigkeit des Vereinsverbots ausgesetzt.


    Gegen den Betreiber von Old School Records ermittelte die Staatsanwaltschaft Memmingen seit dem Jahr 2014 wegen der Verbreitung von Propagandamitteln und Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Volksverhetzung. Das Amtsgericht Memmingen hat eine Geldstrafe in Höhe von 4.800 Euro verhängt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Details zum Herausgeber:
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